Baustellen und Sperrungen
Aktuelles
15.06.2026
Abschlussbericht zum Waldbrand am Saurüsselkopf in Ruhpolding im Einsatzzeitraum vom 03.05.2026 bis 06.06.2026
Mit dem Rückbau der letzten Löschinfrastruktur am Samstag, den 06. Juni 2026, wurde der Einsatz zur Bekämpfung des Waldbrandes am Saurüsselkopf offiziell beendet.
Der Waldbrand stellte die größte Waldbrandlage Bayerns der vergangenen 50 Jahren dar und entwickelte sich aufgrund der schwierigen Topografie, der Witterung sowie der besonderen Bedeutung des betroffenen Schutzwaldes und des Wasserschutzgebiets Laubau zu einer außergewöhnlichen Einsatzlage. Über mehrere Wochen waren Feuerwehren, Bergwacht, Gemeinde, Bundeswehr, Polizei, Staatsforsten sowie zahlreiche weitere Fachstellen im Einsatz. Die Brandursache konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden.
Brandentstehung und Brandausbreitung
Am Abend des Sonntags, 03. Mai 2026, wurde im Bereich des Saurüsselkopfs ein Waldbrand festgestellt. Bereits in den ersten Stunden zeigte sich, dass sich das Feuer in einem äußerst schwer zugänglichen Bergwaldgebiet mit Steilhängen und Felswänden ausbreitete. Aufgrund der Dunkelheit, des steilen und felsdurchsetzten Geländes sowie der Gefährdung der Einsatzkräfte war in der ersten Nacht keine unmittelbare Brandbekämpfung möglich. Zugleich wurden jedoch Hubschrauber der Landespolizei alarmiert, um am Montag, 04.Mai 2026, früh morgens die Brandbekämpfung aus der Luft mit Hilfe von 500l fassenden Wasserbehältern durchzuführen.
Während zunächst von einer betroffenen Fläche von etwa vier bis fünf Hektar ausgegangen wurde, breitete sich das Feuer im weiteren Verlauf erheblich aus. Das betroffene Gebiet umfasste wertvollen Berg- und Schutzwald mit zentraler Bedeutung für den Schutz vor Erosion, Steinschlag und Muren sowie vor allem für die Sicherung der Trinkwasserversorgung der Stadt Traunstein und der Gemeinden Siegsdorf und Inzell. Windwechsel und trockene Witterung führten zeitweise zu einer dynamischen Lageentwicklung.
Ausrufung des Katastrophenfalls
Aufgrund der außergewöhnlichen Lage und des hohen Gefährdungspotenzials stellte das Landratsamt Traunstein am 04. Mai 2026 um 10:05 Uhr den Katastrophenfall für den Landkreis Traunstein fest.
Zentrales Schutzziel war dabei der Schutz des Trinkwasserschutzgebietes Laubau, das eine wesentliche Bedeutung für die Trinkwasserversorgung von ca. 30.000 Bürgern hat. Mit der Feststellung des Katastrophenfalls konnten zusätzliche Einsatzkräfte, Spezialgeräte, der Einsatz der Bundeswehr im Innern und überregionale Ressourcen schnell und zentral koordiniert werden.
Der Katastrophenfall bestand bis zum Ablauf des 12. Mai 2026 und wurde anschließend in einen Koordinierungsfall überführt.
Eingesetzte Kräfte und Einsatzmittel
Im Verlauf des Einsatzes waren zeitweise mehr als 340 Einsatzkräfte gleichzeitig eingebunden. Beteiligt waren dabei Feuerwehren aus dem Landkreis Traunstein und darüber hinaus sowie die Bergwacht Bayern, das Bayerisches Rotes Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, das Technisches Hilfswerk, die Bayerische Polizei, die Bundespolizei, die Bundeswehr, die Bayerischen Staatsforsten, die Gemeinde Ruhpolding, das Landratsamt Traunstein sowie weitere Fachberater und Spezialkräfte.
Besonders bedeutsam war die Luftunterstützung durch Hubschrauber der Bayerischen Landespolizei, der Bundespolizei, der Bundeswehr, der Landespolizei Baden-Württemberg sowie durch Löschhubschrauber von Heli Austria, welches als privates Unternehmen durch den Landkreis zur Brandbekämpfung beauftragt wurde.
Ergänzend kamen Drohnen mit Wärmebildtechnik, darunter Spezialdrohnen des Bayerischen Roten Kreuzes und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, sowie Lastendrohnen der Bergwacht Bayern mit einer Beladung von 40kg zum Einsatz. Ebenso waren Tanklöschfahrzeuge, Tragkraftspritzen und umfangreiche Wasserversorgungs- und -fördertechnik im Einsatz.
Bekämpfung des Waldbrandes
Die Brandbekämpfung erfolgte zunächst überwiegend aus der Luft, da große Teile des Brandgebietes für Einsatzkräfte nicht sicher erreichbar waren.
Parallel wurden entlang der nördlich, westlich und östlich verlaufenden Forstwege, sowie zwischen Fahsteigenschneid und Fischbachschneid sogenannte Riegelstellungen um den Saurüssel aufgebaut, um eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Hinzu kamen Brandschneisen welche an strategischen Positionen durch Feuerwehren und Mitarbeiter der bayerischen Staatsforsten angelegt wurden. Durch intensive Wasserabwürfe und gezielte Maßnahmen am Boden konnte die weitere Ausbreitung schrittweise eingedämmt werden.
Am 07. Mai 2026 konnte schließlich gemeldet werden:
Der offene Brand ist gelöscht.
Damit begann die deutlich längere und arbeitsintensive Phase der Nachlöscharbeiten.
Glutnester als größte Herausforderung
Auch nach dem Löschen des offenen Feuers blieb die Lage kritisch, da tief sitzende Glutnester weiterhin eine erhebliche Gefahr darstellten. Diese befanden sich insbesondere im Wurzelbereich, in abgestorbenem Holz, unter Humusschichten sowie in schwer zugänglichen Steilhängen. Da sie durch Wasserabwürfe nur unzureichend erreicht werden konnten, mussten sie von Einsatzkräften lokalisiert, freigelegt und anschließend manuell abgelöscht werden. Die Bekämpfung stellte sich äußert herausfordernd dar, da neben dem weitläufigen, schwer zugänglichen und großen Einsatzgebiet (>180 Hektar) zum Teil erst nach mehreren Tagen oder Wochen unterirdisch glimmende Glutnester an die Oberfläche durchtraten und mit Wärmebildkameras sichtbar wurden.
Die Nachlöscharbeiten erforderten dabei den gezielten Einsatz von Wärmebildkameras, darunter auch handgeführte Geräte zur engmaschigen und zielgenauen Nachkontrolle, sowie Drohnen- und Hubschraubererkundung, Löschrucksäcke und aufwendige alpine Sicherungstechniken. Feuerwehr, Bergwacht, Bundeswehr, Forst und Polizei arbeiteten über einen Zeitraum von mehreren Wochen eng zusammen.
Trotz der erzielten Löscherfolge kam es insbesondere bei Wind immer wieder zu Rauchentwicklungen und vereinzelten Wiederaufflammungen, die umgehend bekämpft wurden.
Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung
Während des gesamten Einsatzverlaufs bestand keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung, dennoch wurden umfangreiche Schutzmaßnahmen angeordnet. Dazu zählten Betretungs- und Befahrungsverbote im Brandgebiet und auf Forst- und Wanderwegen sowie zunächst die Sperrung der Bundesstraße 305 (aufgrund der intensiven Hubschrauberbewegungen im Bereich der B 305), die später aufgrund geringerer Flugbewegungen durch ein Tempolimit von 30 km/h ersetzt werden konnte. Ergänzend erfolgten Warnmeldungen über MoWaS, NINA und KATWARN sowie Hinweise, bei Rauch- und Aschebelastung Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zudem wurden laufend aktuelle Informationen und Lageupdates an die Bevölkerung über sämtliche verfügbaren Kanäle verbreitet.
Auch nach dem Ende des Katastrophenfalls blieben die Sperrungen bestehen, da weiterhin Gefahren durch Glutnester, Steinschlag sowie umstürzende Bäume und abbrechende Äste fortbestanden.
Übergang in die Nachsorgephase
Mit dem Ende des Katastrophenfalls am 12. Mai 2026 ging der Einsatz in einen Koordinierungsfall über. In den folgenden Wochen konzentrierten sich die Arbeiten auf die Kontrolle des Brandgebiets, die Bekämpfung verbliebener Glutnester, den Rückbau der Löschinfrastruktur sowie die Rückführung von Material und Ausrüstung. Die Einsatzleitung blieb weiterhin unter Führung des Örtlichen Einsatzleiters i.V.m. dem lokalen Kommandanten und dessen Stellvertreter organisiert, während die Kräftefreigabe über den Bürgermeister koordiniert wurde.
Mit dem Rückbau der letzten Löschinfrastruktur am 06. Juni 2026 wurde der Waldbrandeinsatz am Saurüsselkopf nach mehr als einem Monat offiziell beendet und stellt mit 34 Tagen den längsten, durchgehenden Feuerwehreinsatz in der 150 jährigen Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Ruhpolding dar. Nach Wochen intensiver Nachlösch- und Kontrollarbeiten konnte die Einsatzstelle vollständig zurückgebaut und der Einsatz erfolgreich abgeschlossen werden.
Der Waldbrand am Saurüsselkopf stellte Einsatzkräfte und Behörden über Wochen vor große Herausforderungen. Durch das schnelle und koordinierte Zusammenwirken aller beteiligten Organisationen konnte eine weitere Ausbreitung verhindert und der Brand erfolgreich bekämpft werden.
Wie Bürgermeister Justus Pfeifer betonte, war die frühzeitige Ausrufung des Katastrophenfalls „richtig und wichtig“, um Kräfte und Ressourcen wirksam zu bündeln. „Der Einsatz hat eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit und Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen gezeigt. Ich danke allen Einsatzkräften für ihre außergewöhnliche Einsatzbereitschaft, ihr hohes Engagement und die beeindruckende Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen über den gesamten Einsatzzeitraum hinweg.“